Mittwoch, 8. Februar 2012

Gotta get through this


Angenommen, ihr habt bis jetzt nichts von mir gehört. Dann ist heute der achte Tag des Kurses und vermutlich das Härteste überstanden. Nach dem, was ich so gelesen habe, sind die ersten paar Tage nämlich am Schwersten. Stellt euch einfach vor ich sitze irgendwo und meditiere vor mich hin – Fotos gibt es leider nicht, die sind nämlich genauso verboten wie Bücher, Papier und Stifte, Internet, Reden und so weiter.
Am 12. morgens werde ich also den Kurs beenden und versuchen, direkt den nächsten Bus nach Bangkok zu erwischen und von dort weiter nach Koh Tao zu fahren. So nett Battambang für einen Tag mal ist, so langweilig ist es bereits am zweiten.
Battambang ist die drittgrößste Stadt Kambodschas mit den Nachteilen einer Kleinstadt und den Nachteilen einer Großstadt. Alles schließt um acht Uhr abends und auch im Restaurant wird man gegen zehn nervös, weil alle anderen Gäste schon gegangen sind und die Kellner nur noch aufräumen. Andererseits ist es zu groß, um Ruhe und Abgeschiedenheit zu finden, es ist viel zu laut und zu voll dafür (okay, abends nicht mehr voll, aber komischerweise immer noch laut) und es hat weder die Offenheit und Herzlichkeit noch die tolle Natur der wirklich kleinen Dörfer.
Nach guten zwei Monaten unterwegs ohne einen einzigen richtigen Strand wird es nun auch langsam mal Zeit, den angeblich schönsten Stränden der Welt einen Besuch abzustatten.

Montag, 6. Februar 2012

Faces and stories


In der Zeit seit meinem letzten Post über Leute, die ich getroffen habe, sind natürlich schon wieder dutzende neue Bekanntschaften und Freunde dazugekommen.

Da waren Tom und Garrett, die Steven und ich in Vientiane getroffen haben. Tom ist erst zwanzig, aber schon richtig viel unterwegs gewesen und unterrichtet Englisch an einer Schule in Thailand.
Er hat es geschafft, sich ein Tattoo machen zu lassen, ohne zu wissen, was es bedeutet, wofür wir ihn kräftig ausgelacht haben. Garrett sieht aus wie ein Amerikaner und redet auch so, aber ist überraschenderweise völlig anders drauf als man sich "den typischen Amerikaner" so vorstellt. Nach seinem Mathe- und Physikstudium hat er keine Lust mehr auf Uni und Arbeiten und hat sich eine Stelle als Safety Kayaker in Thailand gesucht. Sprich er rettet die Leute, wenn sie aus dem Kayak fallen. Dummerweise passiere das so selten. Woraufhin ich gelacht hab und meinte, dass ich das schon geschafft hab. Und er antwortet trocken: Thanks for saving my job then.

Als Steven weg war, haben die Jungs und ich dann noch Marlene und Lilly kennengelernt. Die beiden sind Schwestern. Die eine hat grad in Korea gejobbt, die andere studiert Fotografie in New York. Tolle Mädels, einen Tick weniger normal als andere Leute und unheimlich liebenswert.

Außerdem haben wir in Vientiane noch Taeva und M (wieder)getroffen. Sie studiert Jura und lebt in New York. Ein Paradebeispiel für meine Beobachtung: Je langweiliger das ist, was die Leute zuhause so machen und je geregelter ihr Leben so ist, umso mehr flippen sie aus, wenn sie da mal rauskommen. In Vang Vieng hab ich sie an Silvester im Club getroffen und fast den Jahreswechsel verpasst, weil ich sie von der Toilette zurück in den Club bugsiert habe - sie wollte nämlich aus unerfindlichen Gründen unbedingt durch die Küche laufen. Taeva ist zusammen mit einem Kumpel von der Westküste unterwegs gewesen, dessen Namen ich mal lieber nicht ausschreibe. Jedenfalls ist er Mitglied im CCC (Chaos Computer Club), also ein Hacker.  Ständig am reisen, so dass er schon in 65 Ländern war, darunter auch Afghanistan. Wahrscheinlich der verrückteste Typ den ich je getroffen habe.

Dann sind wir aus Vientiane alle in unterschiedliche Richtungen weiter. Unterwegs hab ich dann Dave getroffen, einen Australier mit einer Schwäche für deutsche Mädels (nein, nicht für mich, keine Sorge :-).
Habe ihn dann irgendwann mal gefragt, ob er ein bisschen Deutsch kann und mich anschließend totgelacht, als er "Ja freilich" in schönstem bayrischen Dialekt antwortete. Er hat lange in Deutschland gelebt und wenn der mal richtig lossabbelt versteh ich kein Wort mehr. Wir sind dann zusammen weiter nach Kong Lor.

Dort haben wir Guadalupe und Martin getroffen, ein supernettes Pärchen aus Argentinien. So schön mal wieder über Argentinien zu reden, hab ich lange nicht gemacht. Mein Spanisch is aber arg eingerostet, bin dann doch bei Englisch geblieben. Die beiden haben für einen großen Ölkonzern gearbeitet und Martin meinte nur, jetzt wolle er nicht mehr auf der falschen Seite stehen. Es gehe ständig darum, Fehler zu vertuschen und den Schaden für die Umwelt herunterzuspielen. Hat mich mal wieder in meiner Weltanschauung bestätigt.

In Kong Lor sind auch Jaime und Marie zu uns gestoßen. Jaime kommt aus Chile und Marie aus Irland, aber kennengelernt haben sie sich in Kanada. Unheimlich lieb und glücklicherweise nicht eins von diesen anstrengenden Paaren, die nur zu zweit existieren. Ich hoffe wenn sie sich entscheiden, wo sie hinziehen, ist das nicht zu weit weg und ich seh sie nochmal wieder. Mit den zwei war ich dann in Pakse, Tad Lo und auf Don Khong und Don Det, bevor sie in den Norden weitergefahren sind.

Pünktlich bevor die beiden weitermussten, haben wir dann auf Don Det Sabrina aufgegabelt. Sie kommt aus Köln/Düsseldorf/Edinburgh, ist superlieb und echt nicht auf den Kopf gefallen- okay das war jetzt untertrieben, sie hat richig was drauf. Ganz ungewohnt dann von Englisch wieder auf Deutsch umzusteigen, aber das ermöglicht einem doch ganz andere Gespräche. Sabrina ist dann nach Bangkok und Koh Tao weiter und von dort nach Kambodscha. Ärgerlicherweise andersherum als ich, so dass ich ihr wahrscheinlich nicht mehr über den Weg laufe. Aber manchmal kommt es einem eh so vor, als sei die Welt ein Dorf :) Am Ende trifft man doch alle wieder.

In unserem Stammrestaurant auf Don Det hab ich dann Jonas kennengelernt, der sich schon mit der ganzen Familie, inklusive Pumpkin (der Katze) angefreundet hatte. Diese Begegnung hat mir mal wieder gezeigt, wie überflüssig Vorurteile sind. Anfangs hätte ich ihn nämlich in die BWLer-Oberflächlich-Langweilig- Schublade gesteckt. Da gehört er aber definitiv nicht rein, viel zu viel Tiefgang und Lebenserfahrung dafür. Wir hatten jede Menge Spaß und endlos lange Gespräche, bevor Jonas dann in den Norden weitergefahren ist und ich in den Süden.

Genauer gesagt nach Phnom Penh, Kamboscha. Auf dem Weg (mal wieder im Bus) hab ich dann Tim, Nina, Steffi und Sandra kennengelernt. Da brauchte ich dann gar nicht wieder anfangen, Englisch zu reden, weil bis auf Nina alle Deutsche sind (und sie ist aus Österreich). Komischerweise hab ich keinen von denen auf Don Det getroffen, obwohl die Insel echt klein ist und wir alle gleichzeitig da waren. Mit Tim (früher Fallschirmjäger, jetzt Wirtschaftspsychologe) und Nina (Sozialarbeiterin) hab ich dann einen Abstecher nach Phnom Penh gemacht, bevor wir nach Siem Reap gefahren sind und dort die Mädels wieder getroffen haben. War auch ganz froh darüber, mit den zweien zusammen unterwegs zu sein. Einerseits, weil der Tag in Phnom Penh echt heftig war und andererseits weil wir davon abgesehen eine richtig gute Zeit hatten.
Jetzt sind aber alle vier schon wieder in Bangkok und ich alleine in Siem Reap. Auch mal gut für ein paar Tage, kann ich mich schon mal drauf einstellen wie es dann beim Meditationskurs wird.

Mit Tim und Nina im Angkor what?



Marie beim Spielen mit den Kids

Dann waren da noch Cyril, Chris, Becky, Shanna, Albert, Noel, Ng Wan, Sacha und Sofie und bestimmt hab ich wieder die Hälfte vergessen.

Samstag, 4. Februar 2012

Sometimes reality is sad

Um ehrlich zu sein, bin ich froh, nicht noch so viel Zeit in Kambodscha zu reisen. Das hat nichts mit den Menschen hier zu tun oder mit dem Land. Das Land ist schön, Angkor Wat ist der Wahnsinn und die Leute sind nett. Vielleicht nicht ganz so nett wie in Laos. Die Männer ein wenig aufdringlicher, die Tuk Tuk Fahrer ein wenig nerviger und man hat doch immer das Gefühl, auf sich und seine Sachen aufpassen zu müssen.
Aber das ist nun echt nicht so schlimm.

Was so furchtbar ist, ist die Armut.
Viele Bettler die vom Krieg oder von den Minen versehrt sind. Vor allem aber Kinder, die betteln oder die arbeiten und versuchen, mit Postkarten oder Armbändern oder ähnlichem Geld zu verdienen.
Manche sind vielleicht erst 4,5 Jahre alt und alle starren sie einen mit riesengroßen Kulleraugen an.
Selbst wenn ich genug Geld hätte, um ihnen allen was zu geben wäre das keine gute Idee. Dann schicken die Eltern sie erst Recht zum Arbeiten statt in die Schule.
Und ich brauche auch nicht 300 Postkarten und 50 Armbänder täglich.
Aber sie zu ignorieren ist auch schrecklich.
Ab und zu hab ich Essen oder Trinken für sie gekauft. Neulich haben wir mit einem ganz lieben 12 Jährigen gegessen, der an unseren Tisch kam und was verkaufen wollte. Er war sooo dünn und er sah furchtbar traurig aus und sein Anblick hat mir fast das Herz gebrochen. Sein Englisch war sehr gut, weil er neben dem Arbeiten auch zur Schule geht und so haben wir uns ein bisschen unterhalten. Sein Vater ist tot und er lebt mit seiner kleinen Schwester bei seiner Großmutter. Er mag die Schule und will Lehrer werden, wenn er groß ist. Zum Arzt kann er trotz seiner entzündeten Augen nicht, weil er kein Geld hat. Seine ganze Geschichte hat mich so traurig gemacht.

Kein Grund, die Hoffnung auf eine bessere Welt aufzugeben. Aber doch ein Grund, nachdenklich zu werden und mal wieder seine eigenen Prioritäten zu überprüfen. One day the world will be different.


Donnerstag, 2. Februar 2012

ooooooooohhhhmmmmmmmmm

Damit ihr eine Ahnung habt, was ich jetzt so mache:

The Timetable
4:00 a.m. Morning wake-up bell
4:30 to 6:30 a.m. Meditate in the hall or in your room
6:30 to 8:00 a.m. Breakfast break
8:00 to 9:00 a.m. Group meditation in the hall
9:00 to 11:00 a.m. Meditate in the hall or in your room
according to the teacher’s instructions
11:00 to 12 noon Lunch break
12:00 to 1:00 p.m. Rest, and interviews with the teacher
1:00 to 2:30 p.m. Meditate in the hall or in your room
2:30 to 3:30 p.m. Group meditation in the hall
3:30 to 5:00 p.m. Meditate in the hall or in your room
according to the teacher’s instructions
5:00 to 6:00 p.m. Tea break
6:00 to 7:00 p.m. Group meditation in the hall
7:00 to 8:15 p.m. Teacher’s discourse in the hall
8:15 to 9:00 p.m. Group meditation in the hall
9:00  to 9:30 p.m. Question time in the hall
9:30 p.m. Retire to your room; lights out
Noble Silence
All students must observe Noble Silence from the beginning of the course until the morning of the last full day. Noble Silence means silence of body, speech, and mind. Any form of communication with fellow students, whether by gestures, sign language, written notes, etc., is prohibited.
Students may, however, speak with the teacher whenever necessary and they may approach the management with any problems related to food, accommodation, health, etc. But even these contacts should be kept to a minimum.

Es gibt noch viel mehr Regeln und so weiter, aber ich möchte euch jetzt nicht mit einer Liste langweilen.
Da ihr wisst, wie viel ich rede, wie ungemütlich ich werde, wenn ich Hunger habe und wie ungern ich morgens aufstehe, könnt ihr euch sicher vorstellen, wie hart das werden wird.
Für den Fall, dass ich tatsächlich bis zum Ende durchhalte, habe ich ein bisschen vorgebloggt, damit ihr was zu lesen habt. Aber wundert euch nicht zu sehr, wenn ihr vor dem 12. schon wieder von mir hört ;-)