Sonntag, 11. März 2012

Bye Bye Burma

Die letzten Tagen in Burma haben Ruth und ich am Inle Lake verbracht.Wunderschönes Fleckchen Erde oder besser Wasser.
Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ansehen, die Fischer mit ihrer berühmten Bein-Ruder-Technik beobachten, die Katzen in der Jumping Cat Monastry versuchen bei ihren Sprüngen zu fotogafieren, die schwimmenden Gärten inspizieren, an den auf Stelzen gebäuten Häusern vorbeifahren, den Markt ansehen.

Ich vermisse Burma und die Menschen jetzt schon. Die zehn Tage hier waren definitiv nicht genug.


 
 

 



Samstag, 10. März 2012

Last days

Wenn man früh aufsteht, sieht man Dinge, die man sonst nicht zu Gesicht kriegt. In Bagan, der Ort mit mehr als 4000 Tempeln, haben wir menschenleere Tempel gehabt. Da wir mit den Rädern gefahren sind, wollten wir die Mittagshitze weitestgehend vermeiden und konnten so auch noch die Touristenbusse umgehen.

Beim Inle Lake dann sind wir sogar noch früher aufgestanden (gegen 5) und haben uns den Sonnenaufgang auf dem See angesehen. Dadurch konnten wir nicht nur die Fischer bei ihrer Arbeit beobachten und als erstes auf dem Markt sein, sondern hatten auch verhältnismäßig viel Ruhe vor den anderen Touristen und den lauten Booten.

In Yangon auf dem Weg zum Flughafen gab es dann Aerobicklassen im Park und ähnliches zu beobachten.

Trotz meines Hasses aufs Frühaufstehen muss ich also zugeben, dass es sich doch ab und zu mal lohnt.
Sowohl Bagan als auch Inle Lake waren wunderschön und es fiel mir heute sehr schwer, Myanmar zu verlassen.
Ein Gutes hat es aber:  in Bangkok ist mein Blog nicht mehr zensiert und das Internet ist schnell genug, so dass ich endlich ein paar Fotos hochladen kann. Zu den alten Beiträgen hab ich schon welche hinzugefügt, scrollt einfach mal runter.

Hier noch ein paar Bilder aus Bagan:

  
 




Samstag, 3. März 2012

The fear is gone

Die wesentlichste Veränderung im Land: die Burmesen haben keine Angst mehr.
So viele Jahre lang haben sie unter dem brutalen Militärregime gelitten. Aufstände wurden blutig niedergeschlagen, die Menschen wurden von konstant von ihrer eigenen Regierung bespitzelt und über Politik konnte man nicht offen reden. Es ist unklar, was sich verändern wird, aber heute wird vollkommen klar, dass sich bereits einiges verändert hat.
Das die Zeit der Angst nun vorbei sein soll, scheint wie ein Wunder. Die Regierung hat Reformen eingeleitet und politische Gefangene freigelassen. Und unglaublicherweise Aung San Suu Kyi aus ihrem Hausarrest entlassen und ihr erlaubt, für die Anfang April stattfindenden Nachwahlen zu kandidieren. Was diese Frau durchlebt hat und wie sie praktisch ihr ganzes Leben aufgegeben hat, um für Demokratie zu kämpfen, ist schier unfassbar.
Ihr an Krebs erkrankter Mann starb in England, während sie in Burma ausharrte (die Regierung hätte ihr nicht erlaubt, wieder einzureisen). Etwa 15 Jahre ihres Lebens verbrachte sie im Hausarrest. Ihre Geschichte scheint fast übermenschlich, und die Menschen hier verehren sie wie eine Heilige.
Wir fahren zu ihrem Wahlkampfauftritt. Die Motorradtaxi-Fahrer geben uns einen Sonderpreis und schenken uns kleine Fahnen mit dem Logo der NLD (National League for Democracy).
Überall hupen die Menschen und winken uns und lächeln uns voller Begeisterung an. Die Fahrt zu dem Platz gleicht einer kleinen Völkerwanderung. Autos, Motorräder, Fahrräder und wer nichts davon hat, läuft eben zu Fuß.
Dort angekommen heißt es Warten. Eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden. Die Menschen verstopfen die Straßen vom Flughafen zum Auftrittsort und alle die nicht dabei sein können, stehen vor ihren Häusern, um wenigstens einen kurzen Blick auf sie werfen zu können. Gegen Mittag heißt es, jetzt sei sie in der Nähe angelangt. Trotzdem braucht der Tross noch weitere zwei Stunden, um endlich anzukommen. In der Zwischenzeit hat es zu regnen angefangen – ein absolutes Kuriosum, denn eigentlich beginnt im März die heißeste Zeit des Jahres mit Temperaturen um 40 Grad und höher. Niemand weicht von der Stelle. Am besten dran sind die Mönche, da sie sich einfach die Enden ihrer Roben um den Kopf schlingen können. Das Feld füllt sich und füllt sich und die Menschenmassen sind vollkommen unübersichtlich geworden.
Und schließlich ist sie da. Was für eine Frau! Wunderschön und so viel jünger sieht sie aus, als sie in Wirklichkeit ist. Eine wahnsinnig starke Ausstrahlung. Und gleichzeitig so klein und zart und zerbrechlich, dass man sich Sorgen macht. Der Wahlkampf hat bereits Spuren hinterlassen, sie fühlt sich nicht wohl und muss vor Schwäche ihre Rede unterbrechen, bevor sie fertig sprechen kann. Hoffentlich ist es nichts Ernsteres. Ein wahnsinnig netter und hilfreicher burmesischer nglischlehrer übersetzt Teile ihrer Rede für uns.
Was für ein Erlebnis.Wir lassen uns mitreissen von der Freude der Menschen, die singen und tanzen und Fahnen schwenken. Strahlende Gesichter, wohin man schaut.
Niemand hier sieht so aus, als ob er noch Angst hätte vor dem brutalen Regime.
Die Mönche, die noch vor wenigen Jahren bei den Protesten ihr Leben riskiert haben, sind alle dort und strahlen so überglücklich, dass ich mich frage, ob ich jemals so glückliche Menschen gesehen habe. Ein Tag, den ich niemals vergessen werde.


Freitag, 2. März 2012

I am in love...

with Myanmar.
Seit ich hier bin habe ich endlich verstanden, warum die Menschen die man trifft immer so begeistert von diesem Land erzählen.  Es ist einfach wundervoll.
Leider ist es wirklich schwierig, die Atmosphäre hier mit Worten oder Bildern einzufangen. Am besten fahrt ihr selbst her und sehr es euch an. Versuchen werde ich es trotzdem mal.

Hier gehen die Uhren noch ein bisschen anders. Es kommt mir ein wenig vor, als würde man eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen, aber dann auch wieder nicht, denn Dinge wie Autos oder Internet gibt es hier natürlich auch. Geldautomaten sind seit den Sanktionen aus dem Westen nicht mehr vorhanden, so dass man mit genügend Dollars einreisen muss – aber wehe, diese haben einen Knick, einen Riss oder sind älter als von 2006, dann kann man sie nicht mehr tauschen.
Telefonzellen sehen hier so aus:

Die Annahme, dass nur Schotten Röcke tragen würden, ist eindeutig falsch. Ein Großteil der Burmesen läuft mit traditionellen, häufig karierten, knöchellangen Röcken herum. Die Frauen übrigens auch.

Man kann hier Einflüsse aus vielen verschiedenen Ländern feststellen, vor allem viel indisches, gerade beim Essen. Ein wirklicher Schmelztiegel ist Myanmar aber nicht, dafür verschmelzen die Einflüsse nicht genügend.

Natürlich gibt es auch in Myanmar genügend anzusehen, zum Beispiel die vielen schönen alten Kolonialbauten, von denen einige bereits verfallen, den schwebenden, goldenen Felsen (der leider so weit ab vom Schuss liegt, dass ich dort wohl nicht mehr hinkomme), die vielen Tempel von Bagan oder die  berühmte Shwedagon Pagode (wirklich sehr sehr schön).
Das Beste allerdings ist die Warmherzigkeit der Menschen, von der sich der Rest der Welt gern eine Scheibe abschneiden könnte.

Hier kann man sich gar nicht verlaufen, weil man Hilfe bekommt, sobald man nur auf den Stadtplan  guckt. Neulich hat der Taxifahrer Ruth, die kein Geld mehr dabei hatte, umsonst nach Hause gefahren. Die Mönche kommen auf uns zu und wollen sich unterhalten, genauso wie einige junge Leute, die Englisch können. Wir tauchen vermutlich bald in der Hälfte der burmesischen Fotoalben auf, weil alle immerzu Fotos mit uns machen wollen.

Ich bereue wirklich, dass ich nicht viel mehr Zeit hier verbringen kann. Hoffentlich kann ich bald wiederkommen.



Hier ticken die Uhren anders..

Überall in Yangon gibt es Handleser

Wunderschön: die Shwedagon Pagode